Stell dir vor, du stehst morgens auf, schaust deinen Partner oder deine Partnerin an – und spürst diese leise, drückende Frage: Wie lange machen wir das noch so? Vielleicht sind es keine lautstarken Streitigkeiten. Vielleicht ist es eher diese bleierne Stille, dieses Aneinander-Vorbeileben, das sich eingeschlichen hat – unmerklich, aber durchdringend.
In meiner über 18-jährigen Arbeit als Eheberater, Paartherapeut und Beziehungscoach begegnet mir dieses Gefühl fast täglich. Und ich erlebe fast immer dieselben Muster – dieselben Kommunikationsfehler, die Paare auseinandertreiben. Das Gute: Sie sind erkennbar. Und vor allem: Sie sind vermeidbar. In diesem Artikel zeige ich dir die fünf häufigsten Kommunikationsfehler, die Paare in der Krise machen, damit du weißt, worauf du achten solltest, bevor der erste Riss zum Bruch wird.
Tipp: Du fragst dich, ob eure Situation wirklich ernst ist – oder einfach „normal“? Dann empfehle ich dir meinen Artikel „Wann ist Paarberatung sinnvoll?“ , in dem ich erkläre, ab wann professionelle Begleitung einen echten Unterschied machen kann.
Kommunikations-Fehler Nr. 1: Ihr wartet zu lange – bis der Schmerz unerträglich wird
Warum ist das ein Fehler?
Es ist einer der häufigsten Sätze, die ich in meiner Praxis höre: „Wir haben so lange gewartet – jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich noch kämpfen will.“ Paare kommen oft erst dann zu mir, wenn das Fass bereits übergelaufen ist – nach Jahren des Schweigens, aufgestautem Groll und unzähligen Verletzungen, die nie wirklich ausgesprochen wurden. Studien zeigen, dass Paare im Schnitt 6 bis 7 Jahre mit ernsthaften Kommunikationsproblemen warten, bevor sie sich Hilfe holen. Das ist eine lange Zeit, in der Muster sich verhärten und Vertrauen erodiert.
Das Problem: Je laenger dysfunktionale Kommunikation andauert, desto tiefer grabt sie sich in den Alltag ein. Was anfangs ein kleines Missverständnis war, wird zur Überzeugung – „Er versteht mich sowieso nicht“ oder „Mit ihr kann ich nicht reden.“ Solche inneren Glaubenssätze sind schwerer aufzulösen als frische Konflikte. Aber unmöglich ist es nie.
So vermeidest du diesen Kommunikations-Fehler
Schau nicht darauf, ob es einen Grund zur Sorge gibt – schau darauf, ob ihr euch noch wirklich verbunden fühlt. Wenn du merkst, dass ihr mehr nebeneinander als miteinander lebt, ist das ein klares Signal. Du musst nicht erst in der tiefen Krise sein, um Unterstützung zu suchen. Frühezeitige Begleitung ist kein Eingeständnis des Scheiterns – sie ist ein Zeichen von Stärke und Liebe füreinander.

Kommunikations-Fehler Nr. 2: Ihr redet – aber ihr hört euch nicht wirklich zu
Warum ist das ein Fehler?
„Wir reden doch miteinander!“ – ja, das stimmt. Aber wie? Viele Paare reden. Über die Kinder, den Alltag, die Finanzen. Was sie nicht tun: Sie sprechen über das, was sie wirklich bewegt. Über Sehnsucht. Über Angst. Über den tiefen Wunsch, endlich wirklich gesehen zu werden. Reden und echtes Zuhören sind zwei grundverschiedene Dinge.
Als Berater erlebe ich es regelmäßig: Paare, die sehr viel miteinander sprechen, aber trotzdem aneinander vorbeireden. Weil sie nicht gelernt haben, sich wirklich zuzuhören. Weil alte Verletzungen dazwischenfunken. Weil Gespräche schnell in Vorwürfe kippen – als Reflex, den keiner wirklich will.
So vermeidest du diesen Kommunikations-Fehler
Echte Kommunikation beginnt mit Zuhören – nicht mit dem Formulieren der nächsten Antwort. Probiert diese einfache Übung: Wenn dein Partner oder deine Partnerin spricht, wiederhole mit eigenen Worten, was du verstanden hast, bevor du antwortest. Dieses aktive Zuhören klingt simpel, verändert aber die Energie in einem Gespräch spürbar. Mehr dazu findest du in meinem Artikel „Beziehung verbessern mit Kommunikation und Aufmerksamkeit„ .
Kommunikations-Fehler Nr. 3: Ihr sucht den Schuldigen – statt gemeinsam nach Lösungen
Warum ist das ein Fehler?
„Er fängt immer an.“ „Sie hört mir nie zu.“ Kennt ihr das? In einer Krise ist es zutiefst menschlich, nach Erklärungen zu suchen. Die einfachste lautet: Es liegt am anderen. Das Problem: Schuldzuweisungen lösen keine Kommunikationsprobleme – sie vertiefen sie. Solange beide Partner damit beschäftigt sind zu beweisen, wer mehr schuld hat, bleibt kein Raum für das Wesentliche: gemeinsam herauszufinden, wie es besser werden kann.
Aus systemischer Sicht – ein Blickwinkel, den ich in meiner Arbeit sehr schätze – gibt es in einer Beziehung keine alleinige Ursache für Kommunikationsprobleme. Dynamiken entstehen immer zwischen zwei Menschen. Beide tragen dazu bei. Nicht zu gleichen Teilen, nicht auf dieselbe Weise – aber beide spielen eine Rolle.
So vermeidest du diesen Kommunikations-Fehler
Stelle dir ehrlich die Frage: „Was trage ich selbst zu dieser Dynamik bei?“ Das ist keine Selbstbestrafung – es ist der Beginn echter Veränderung. In meiner Beratung nenne ich das den Schritt vom „Gegenüber“ zum „Miteinander.“ Dieser Perspektivwechsel ist oft der schwerste – und gleichzeitig der wirkungsvollste.
Kommunikations-Fehler Nr. 4: Ihr sprecht über Symptome – nicht über eure eigentlichen Gefühle
Warum ist das ein Fehler?
„Wir streiten ständig ums Geld.“ „Du arbeitest zu viel.“ „Wir haben uns nichts mehr zu sagen.“ Das sind reale Themen – aber sie sind häufig nur Symptome tieferer Kommunikationsprobleme. In meiner Praxis erlebe ich es regelmäßig: Ein Paar streitet über Geld – aber eigentlich geht es um das Gefühl, nicht respektiert zu werden. Ein anderes spricht kaum noch miteinander – weil alte, unausgesprochene Verletzungen nie einen Platz gefunden haben.
Wer in der Kommunikation nur an der Oberfläche bleibt, wird immer wieder von denselben Themen eingeholt – in neuer Verkleidung. Das frustriert beide, weil sie das Gefühl haben, sich im Kreis zu drehen.
So vermeidest du diesen Kommunikations-Fehler
Fragt euch gemeinsam: „Was steckt wirklich dahinter?“ Nicht vorwurfsvoll – sondern neugierig und offen. Manchmal braucht es dafür professionelle Begleitung, weil manche Themen schlicht zu nah sind, um sie alleine zu betrachten. Als Berater helfe ich Paaren, unter die Oberfläche zu tauchen – sicher und begleitet, ohne dass sich jemand angeklagt fühlt. Genau das macht tiefe, dauerhafte Veränderung in der Kommunikation möglich.
Kommunikations-Fehler Nr. 5: Ihr denkt, persönliches Wachstum hat nichts mit eurer Kommunikation zu tun.
Warum ist das ein Fehler?
Hier liegt einer der am häufigsten übersehenen Kommunikationsfehler: Viele Menschen investieren in ihre persönliche Weiterentwicklung – ohne zu bemerken, wie das ihre Kommunikation in der Beziehung verändert. Das Wachstum selbst ist wunderschön! Aber: Wenn ein Mensch sich innerlich stark verändert und der Partner oder die Partnerin nicht „mitgenommen“ wird – nicht einmal informiert wird -, entsteht eine wachsende Kommunikationslücke.
In meiner Arbeit als Coach erlebe ich das regelmäßig – bei Frauen, die enorm an innerer Stärke gewonnen haben, und bei Männern, die durch Coaching völlig neue Werte und Bedürfnisse entwickeln. Wachstum ist ein Geschenk. Aber Wachstum ohne offene Kommunikation darüber schafft Distanz.
So vermeidest du diesen Kommunikations-Fehler.
Nimm deinen Partner oder deine Partnerin mit auf die Reise – nicht, indem du sie verändern willst, sondern indem du teilst: was du erlebst, was sich in dir verändert, was du dir wünschst. Persönliche Entwicklung und tiefe Beziehungskommunikation sind kein Widerspruch – sie gehören zusammen. In meinem Coaching verbinde ich deshalb immer beide Ebenen: die individuelle und die gemeinsame. Das ist, was nachhaltige Veränderung schafft.
Fazit: So verbesserst du die Kommunikation in eurer Beziehung wirklich.
Lass mich kurz zusammenfassen – die fünf häufigsten Kommunikationsfehler in Beziehungen sind:
1. Zu lange warten, bis der Leidensdruck unerträglich ist.
2. Reden, ohne sich wirklich zuzuhören.
3. Den Schuldigen suchen statt gemeinsam Lösungen zu finden.
4. Über Symptome sprechen statt über die eigentlichen Gefühle.
5. Persönliches Wachstum von der Beziehungskommunikation trennen.
Was all diese Kommunikationsfehler verbindet: Sie entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus Unsicherheit, alten Mustern oder schlicht aus Unwissen. Genau deshalb spreche ich offen darüber – damit du erkennst, was möglich ist, wenn du bereit bist, einen anderen Weg zu gehen.
Wenn du bereit bist, den ersten Schritt zu machen: Lies meinen Artikel „So kannst Du mit mir arbeiten-Paarberatung und Kostenübersicht“ – dort nehme ich dir jede Nervosität vor dem ersten Termin. Oder buche direkt hier ein Erstgespräch [jetzt 👉Ankommen & Aufbrechen anfragen], und wir schauen gemeinsam, wie ich euch begleiten kann.
Bessere Kommunikation, echte Nähe, wieder wirklich verbunden sein – das ist kein Wunschtraum. Ich habe es seit 2007 hunderte Male in meiner Paar- und Eheberatung erlebt, begleitet und miterlebt. Es ist möglich. Für dich. Für euch.
In meinem Leitartikel „Wann Paarberatung wirklich sinnvoll ist“ gehe ich noch etwas tiefer darauf ein. Schau einfach mal rein.





