Mein Bild, Dein Bild

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor:

Ein Paar, Peter, 42 Jahre, leitender Angestellter in einem großen Handelsunternehmen – Carola, 39 Jahre, Mitarbeiterin in einer Werbeagentur. Sie haben zwei Kinder. Es ist Sonntagmittag, die Kinder sind durch eine „Leih-Oma“ versorgt und beide genießen ihre Paarzeit. Sie betreten voller Freude ein Kunst Museum in Düsseldorf. Gemeinsam schreiten Sie durch die Räume und betrachten die unterschiedlichen Kunstwerke. Hier und da verweilen Sie einen Moment und genießen bestimmte Bilder.

Alles in allem haben die beiden einen sehr gelungenen und nahezu perfekten Nachmittag zu zweit. Sie unterhalten sich, teilen ihre Eindrücke und haben jede Menge Spaß miteinander.

Zu Hause angekommen hängen beide noch eine Zeit gedanklich diesem tollen Nachmittag nach, als plötzlich eine Diskussion entsteht.

Carola: Peter, was ich Dir noch sagen wollte. Letzte Woche Montag da hast Du mich so komisch angeraunzt. Du hast mir gesagt das ich immer so unordentlich wäre und das find ich total bescheuert von Dir.

Peter: Was meinst du Carola?

Carola: (äfft ihn nach) Was meinst Du, Carola?  Jetzt tu nicht so scheinheilig! Du weißt ganz genau wovon ich rede!

Peter: Entschuldige mal bitte, Ich weiß beim besten Willen nicht was Du meinst!

Carola: Das ist mal wieder typisch! Ich spreche ein Thema an und mein lieber Gatte weiß mal wieder nicht wovon ich spreche!

Peter: (schon sichtlich genervt) Ähm? Wie jetzt? Was für ein Thema? Ich weiß nur das wir zwei heute einen total harmonischen und sehr innigen Nachmittag hatten und dann fängst Du hier eine Grundsatzdiskussion an!

Carola: (ebenfalls enorm gereizt) Quatsch! Das ist keine Grundsatzdiskussion!! Ich will einfach nur das Du mir endlich mal zuhörst und dich für Dein Verhalten entschuldigst!

Peter: ( Mittlerweile total sauer hebt er seine Stimme an!) Wofür soll ich mich jetzt entschuldigen? Ich glaub Dir geht es zu gut!! Du versaust uns den Abend und ich soll mich entschuldigen! Für was???

—Zeitsprung—

Peter verläßt wütend das Haus mit den Worten „Wird spät heute, brauchst nicht auf mich warten!!“ Er beschliesst den Abend lieber mit seinem besten Kumpel zu verbringen. Carola hingegen fühlt sich total Respektlos behandelt und greift weinend zum Telefon um mit Ihrer besten Freundin das erlebte zu besprechen.

Was ist geschehen?

Carola wollte die Gunst der Stunde nutzen um mit Peter über eine Situation zu reden, die sie als sehr anstrengend und wenig wertschätzend empfand.
Carola dachte sich, wenn jetzt schon so eine schöne Stimmung ist, dann könnten sie in Ruhe mal ein paar Themen ansprechen. In der Situation selber ist das ja eher schlecht, weil sie ja keinen Streit heraufbeschwören will.

Peter fühlte sich total überrollt ob der Anschuldigungen die er hörte. Er hatte den Blick auf den Moment gerichtet und konnte nichts damit anfangen das Carola ausgerechnet jetzt über ein ihr wichtiges Thema sprechen wollte, was Peter so garnicht auf dem Schirm hatte. Zumal die aktuelle Situation so schön war und er überhaupt keine Lust auf Streitgespräche hatte.

Durch die unterschiedlichen Wahrnehmungen der beiden, was den betreffenden Montag angeht, stellte sich in der Diskussion ab einem bestimmten Moment eine „Rechthaber-Position“ ein. Soll soviel bedeuten wie; jeder beharrt auf seinem Standpunkt und es wird nur noch über „die eigene Sicht diskutiert, was in der Regel in einem Streit endet.

Was wäre die Lösung?

Es ist immer sinnvoll, wenn sie eine Situation erleben die ihnen nicht behagt oder wo sie sich ungerecht behandelt fühlen, unmittelbar ins Gespräch mit dem Partner zu gehen.
Bitte dabei keine Scheu vor einer eventuellen Streit-Diskussion.
Ich empfehle das Erlebte wertfrei, ohne Vorwurf und aus der Ich Perspektive anzusprechen. Es ist möglich das sich eine Diskussion entwickelt die muß jedoch nicht zu einem Streit ausarten. Entscheidend ist, das Regeln eingehalten werden.

Auf Basis der gewaltfreien Kommunikation wäre eine Möglichkeit der Wert- und Vorwurfsfreien Formulierung wie folgt:


 
Ich erlebe die Situation für mich grade sehr anstrengend weil ich das Gefühl bekomme für etwas schuldig gemacht zu werden was nicht meinem Ansinnen entspricht. Daher bitte ich Dich mit mir in ein wertfreies Gespräch zu gehen damit wir beide eine Lösung für diese Situation finden können. 

Vielleicht pflichten Sie mir bei, das bei der gewählten Kommunikation kein Raum für Streitigkeiten entstehen kann. Allerdings ist es auch nicht leicht unsere allgemeingültig erlernte Kommunikationsform auf „gewaltfrei“ umzustellen. Ganz besonders nicht, wenn sie versuchen dieses Schema nur in emotional belasteten Situationen anzuwenden. Es bedarf einer besonderen Form des Lernens. Aber das würde diesen Artikel sprengen.

Ich wünsche Ihnen noch viele konstruktive Diskussionen.

Ihr,

Michael Lahme

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